Waldglas

Mit dem Untergang des Römischen Reiches geriet das Glashüttenwesen in Europa weitgehend in Vergessenheit. Spärliche handwerkliche Kenntnisse und einige wenige antike, lateinische Schriften halfen den Glasmachern in fränkisch-merowingischer Zeit weiter.

Im Mittelalter entstanden in den waldreichen Gegenden Nordeuropas Glashütten, die meist zu großen Klosteranlagen gehörten.

Es war charakteristisch für diese Hütten, dass ihre Öfen nur für durchschnittlich drei Monate betrieben wurden. Nach Abholzung der in der Nähe wachsenden Bäume und nach dem Verschleiß der Keramikhäfen suchten sich die Glasleute einen neuen Werkplatz.

Die grüne Farbe der Glasmasse entsteht durch den natürlichen Eisenoxidgehalt der Rohstoffe.

Die Glasmacher stellten Butzenscheiben, Tafelglas, Apothekengläser, Vorratsflaschen her. Nicht nur Adel und Klerus, sondern auch wohlhabende Bürger in den Städten und reiche Bauern leisteten sich kostbare Gläser, um ihre Tafel zu schmücken.


Glasschnitt

Zu einer ersten Blüte des Glasschnitts kam es in Nürnberg um 1600, kurz danach in Böhmen und Schlesien sowie am Hof Augusts des Starken in Dresden.

Die großen Leistungen des Glasschnitts entstanden an den europäischen Höfen, weil die Herrscher und Fürsten in der Zeit des Absolutismus den Glasschnitt aus Prestigegründen förderten.

In Weimar, Arnstadt und Gotha nahm der Glasschnitt früh einen hervorragenden Platz ein. Hochbegabte Glasschneider bearbeiteten Pokale der Barockzeit mit großer Feinheit und Eleganz.

Die unterschiedlichen Schliffarten wurden von verschiedenen Meistern ausgeführt. Es gab auch beim Schnitt Spezialisten nur für Landschaftsdarstellungen, Figuren oder Ornamente.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts stieg die Popularität und mit der Ausbreitung nahm der Einfluss volkstümlicher Motive zu.


Einfaches Tafelglas

Im 16./17. Jahrhundert entfaltete sich das Handwerk der Glasmacher zu voller Blüte.

Die wichtigsten Glashütten lagen in der Hauptsache im Spessart, in Hessen, im Thüringer Wald, im Fichtelgebirge, im Erzgebirge, im Bayerischen Wald, im Böhmischen Wald, in Lothringen in Belgien und in Schlesien.

Das einfache Gebrauchsglas unterschied sich kaum voneinander und landschaftlich bedingte Eigenheiten fielen – auch wegen der Mobilität der Glasmacher – weitgehend fort.

Im 18. Jahrhundert durchdrangen sich höfische und bürgerliche Tischbräuche. Gläser waren bald die beliebtesten Trinkgefäße und wurden auch in großem Umfang hergestellt. Besondere Glastypen und –sorten waren nun nicht mehr auf einen einzelnen Stand beschränkt. Glas konnte zunehmend von jedermann erworben werden, erst aufwändige Dekore machten ein Glas besonders wertvoll.

Fadenglas

Fadengläser sind von bunten Glasfäden durchzogene Gefäße.

Die feinsten und zartesten Faden- und Netzgläser entstanden in den muranesischen Hütten bei Venedig seit dem 16. Jahrhundert. Sie galten seither als typisch venezianisch.

Zahlreiche Hütten in den Niederlanden, Deutschland, Österreich und England übernahmen die sogenannte Filigranglastechnik der Venezianer.

In Thüringen arbeiteten die Glashütten seit dem 17./18. Jahrhundert mit Fadenglas- und Netzglasdekoren.


Emailmalerei auf Glas

Wesentliche Anstöße für einen Stilwandel gingen vom Orient und von Venedig aus: Glas wird bemalt.

Adelige und auch bürgerliche Käufer erwarteten Bildthemen, die nicht nur ihrem Bedürfnis nach angemessener Repräsentation im Haus, sondern auch ihren individuellen, persönlichen und privaten Interessen entsprachen.In Thüringen, insbesondere in Lauscha, waren die engen künstlerischen und bald auch familiären Kontakte zu den Glasmalern im Fichtelgebirge von großem stilistischen Einfluss.


Beinglas

Anfang des 18. Jahrhunderts hatte Friedrich Böttger in Dresden die Zusammensetzung der Porzellanmasse herausgefunden und Gefäße gebrannt. Kaffe- und Teeservice aus Porzellan waren von nun an die begehrtesten Luxusobjekte an den europäischen Höfen.

Die Venezianer hatten Beinglas (ital. Lattimo) seit dem 16. Jahrhundert in Gebrauch. Um die milchige Trübung zu erzeugen, setzten sie dem Gemenge Blei, Zinnodix, Knochenasche (Kalziumfluorphosphat) oder Hirschhorn u. a. Mittel zu.

In der Absicht, das Porzellan zu imitieren, schmolzen nun manche thüringische Hütten Beinglas. Urkundlich erwähnt sind die Hütten ein Eisfeld 1711, Henriettenthal 1720, Lauscha 1735 und Ilmenau 1737.

Mit der zunehmenden Verbreitung des Porzellans gegen Ende des 18. Jahrhunderts schlief das Interesse am Beinglas wieder ein.